Heimatgeschichte

Reizner Romuald

Schuhmacher

Geb.  25.10.1926 in Fridingen

Gest. 07.01.2018 in Tuttlingen

Als ältester Sohn des Schuhmachers Karl Reizner und Berta Reizner geb. Gruber wuchs Romuald Reizner mit vier Geschwistern in bescheidenen kleinbäuerlichen Verhältnissen in Fridingen auf.


Nach der Volksschule erlernte er bei der Firma Rieker & Co. (Tuttlingen) den Beruf des Schuhmachers. Im November 1943 musste er zum Reichsarbeitsdienst einrücken. Seine Einberufung zum Militär (Infanterie) erfolgte im Februar 1944. Noch keine 18 Jahre alt, kam er im Zweiten Weltkrieg im August 1944 in Frankreich in amerikanische Gefangenschaft, aus der er im Januar 1947 gesund nach Hause zurückkehrte.

Wieder in der Heimat angekommen, arbeitete Romuald Reizner in seinem erlernten Beruf als Schuhmacher - zunächst bei der Firma Hauser & Co., später dann bei I.G. Martin(Tuttlingen), Mercedes Schuhfabrik und Raichle Sportschuh - die meiste Zeit in Fridingen. Ab 1976 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1989 war er bei den DESMA-Werken in Fridingen beschäftigt.

1954 heiratete er Sophie Sattler (Fridingen). Aus ihrer Ehe gingen die Kinder Karl-Heinz und Marianne hervor. 1957 bezog die Familie ihr neues Haus in der Schiller-straße auf Bangelt.

„D‘ Rumald“, wie ihn die Fridinger nannten, trieb seit jungen Jahren begeistert Sport und engagierte sich in den örtlichen Vereinen. 1947 begann er im damaligen Sportverein mit dem Turnen. 1954 trat er dem Turnverein 05 Fridingen bei, in dem er Jahrzehnte lang an verantwortlichen Stellen aktiv war: als Schülerturnwart (1949 - 1980), Männer- und Oberturnwart (1955 - 1979) sowie als Übungsleiter im Breitensport und Lauftreff (1975 - 2002). Von 1960 bis 1965 war er zweiter Vorstand des Turnvereins 05 und 30 Jahre lang im Ausschuss tätig. Bis ins hohe Alter blieb er sportlich aktiv. In der zweiten Lebenshälfte betätigte er sich im Ausdauer- und Breitensport. Insgesamt 30mal legte er das Deutsche Sportabzeichen ab, letztmals im Jahr 2008 mit 81 Jahren. Der Turnverein 05 das war sein“ Ein und Alles“, seine sportliche Heimat, solange er lebte.

Der Skisport hatte es ihm ebenfalls angetan. In jungen Jahren nahm er am Abfahrtslauf am Antoni teil, unternahm viele Skitouren, gehörte 1967 zu den Gründungsmitgliedern des Skiclubs Fridingen, gab Skikurse und half 1970/71 beim Bau des Skilifts mit. Später frönte er nur noch dem Skilanglauf und war, sobald es die Schneelage zuließ, in der Loipe unterwegs.

Für seinen engagierten Einsatz im Sport erhielt Romuald Reizner zahlreiche Aus-zeichnungen, u.a. den Ehrenbrief des Turngaus Schwarzwald (1965) und des Sport-kreises Tuttlingen (1978), die Ehrennadeln des Deutschen Turnerbundes (1980) und des Landes Baden-Württemberg (1987) sowie die silberne Verdienstmedaille der Stadt Fridingen (1974). Ehrenmitglied war er im Turnverein 05 Fridingen, der ihn 2017 – ein gutes halbes Jahr vor seinem Tod – für 70 Jahre Mitgliedschaft auszeich-nete, im Skiclub Fridingen und im Schwäbischen Albverein, dessen Ortsgruppe Fridingen er 1983 beitrat.

Viel Freude hatte er auch am Singen. Im Gesangverein Liederkranz Fridingen, dessen Ausschuss er einige Jahre angehörte, sang er von 1948 bis 1962, im Ökumenischen Grabgesang Fridingen von 1989 bis zu seinem Tod.

Er war ein Naturfreund, wie er im Buche steht. So oft es ging, war Romuald Reizner in der heimatlichen Landschaft unterwegs. Ob bei Frühwanderungen auf dem Kirchberg, bei Mittagstouren durch die Fridinger Wälder, bei Abendspaziergängen zum Heiligen Brünnele ins Hintelestal – da traf man ihn bei Wind und Wetter, zu jeder Jahreszeit. In der Natur, in Wald und Feld schöpfte er Kraft. Dort fand er die Ruhe und Zufriedenheit, die ihn insbesondere im letzten Lebensdrittel immer optimistisch und positiv in die Zukunft blicken ließ. Als exzellenter Kenner der heimischen Pflanzen- und Tierwelt, der örtlichen Gemarkung und Flurnamen gab er sein umfangreiches, fundiertes Wissen gerne als Wanderführer weiter.

Aber auch im eigenen Garten, den er selbst mit 90 Jahren noch fachmännisch, sorgfältig und mit viel Freude bewirtschaftete, setzte er seine Kenntnisse praktisch um. Dabei halfen ihm auch seine jahrelangen täglichen Wetterbeobachtungen, über die er akribisch Buch führte.

Seine Heimat, deren Kultur, Geschichte und Brauchtum lagen ihm zeitlebens sehr am Herzen. Lange selbst als aktiver Narr unterwegs, war es für ihn auch im hohen Alter unvorstellbar, an der Fasnet nicht im „Städtle“ mitten im Geschehen dabei zu sein.

Zeitlebens mit seiner geliebten Heimat Fridingen tief verwurzelt und fest am katholischen Glauben orientiert, war es ihm - nach seinen eigenen Worten- vergönnt, ein gutes und ausgefülltes Leben hier im Oberen Donautal zu führen. Hier wurde er geboren, hier war er zu Hause, hier war er glücklich und zufrieden.

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