Rückblick: Von Kapelle zu Kapelle
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Etwa seit dem 15. Jahrhundert gibt es in Franken und Schwaben, angeregt durch die Passions- und Ölbergandachten, plastische Ölbergdarstellungen, die besonders im süddeutschen Barock des 17. und 18. Jhdts eine herrliche Ausprägung erführen.
Unser Fridinger Ölberg ist ein Kleinod, das leider kaum mehr beachtet wird. Aber er ist nicht der erste Ölberg in Fridingen. Er hatte eine Vorgängerkapelle, von der wir aber leider sehr wenig wissen. Sie wird erstmals 1779 im Sterberegister erwähnt: Die Gräber beim Ölberg auf dem 1842 verlegten Friedhof um die alte Kirche waren Ehrenplätze für besonders verdiente Mitmenschen.
Als 1851 die damals noch geostete Fridinger Pfarrkirche wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste, fiel auch die alte Ölbergkapelle dieser Maßnahme zum Opfer. 1857 wurde die neue, um 90 Grad gedrehte Pfarrkirche eingeweiht. Danach kam in der Bevölkerung bald der Wunsch nach einer Ölbergkapelle auf. Aber das Geld reichte nicht aus für einen solchen Bau. So entstand 1860 ein eigener Spendenfonds. Schon 1879 befanden sich stolze 546 Mark in der Kasse und der Bau konnte in Angriff genommen werden. Die Baumeister waren keine geringeren als die Beuroner Künstlermönche, die ab 1868 die Beuroner Kunst entwickelten.
Der Vater dieser Kunstschule war Peter Lenz aus Haigerloch, später Pater Desiderius Lenz. Er hatte seine Kunsttheorie mit der er die moderne Kunst zurück zur klassischen Schönheit führen wollte. Das Maß für seine Theorie sah er in der ägyptischen Kunst. Dieses Ideal realisierte er 1871, als er für Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen im Donautal unweit von Beuron die Mauruskapelle baute, die heute als Wiege der Beuroner Kunst gilt.
Fridingen kam so zu diesem Gebäude: Nach der Vertreibung der Beuroner Mönche im Kulturkampf am 03.12.1875 lebten vermutlich drei der Mönche versteckt bei Stadtpfarrer Fähndrich in Fridingen. Sie lieferten die Pläne und orientierten sich dabei an der Mauruskapelle, die so praktisch Pate stand für unsere 1879 begonnene Ölberg-Kapelle. Wir finden dieselben architektonischen Merkmale, nämlich klar und streng geführte Linien, die senkrechte Giebelteilung, der nach drei Seiten offene Vorraum und der fensterlose Kultraum, nur alles eben viel kleiner.
Die Ausstattung des Fridinger Ölbergs stammt aus der Barockzeit, sie entstand um 1750. Der kniende Christus ist als kräftige bäuerliche Gestalt gehalten, der fast ängstlich, aber doch ergeben zum Engel emporblickt, der ihm den Leidenskelch präsentiert. Als der Ölberg 1880 eingeweiht wurde, beliefen sich die Gesamtbaukosten auf rund 750 Mark, finanziert durch Spenden. Seit dem Sakristeianbau 1973 ist der Weg um die Kirche herum zu und der Ölberg kam immer mehr ins Abseits. Durch die unglückliche Anordnung der Hangstützmauer dringt immer wieder Wasser ins Mauerwerk ein, was die Bausubstanz des Gebäudes, das aus Bärenthaler Tuff errichtet ist, schädigt. Ein wichtiger Punkt ist noch, dass der Ölberg genau am Platz des Hochaltares der 1851 abgebrochenen Kirche steht.
Zum gemütlichen Abschluss der Kapellenführung kehrte ein Teil der Gruppe noch in der „Sonne“ ein.
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