Rückblick: Von Kapelle zu Kapelle
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Die Gruppe traf sich an der St. Annakapelle, die eine sehr bewegte Geschichte hat. Um 1520 als Krankenkapelle für das nahe liegende Spital erbaut, wurde sie 1715 bis 1747 umgebaut und barockisiert. Sie wurde zum gutbesuchten Wallfahrtsort und zog Einsiedler an, die die Wallfahrt förderten und Ablässe besorgten.
Diese positive Entwicklung wurde aber durch die Säkularisation jäh gestoppt. Im Jahr 1803 wurde die Diözese Konstanz aufgehoben und das kirchliche Vermögen säkularisiert. Für die St. Annakapelle begannen damit äußerst dramatische Zeiten, die eigentlich zu ihrem Abbruch führen sollten. Sie wurde auf Anordnung des katholischen Kirchenrates in Stuttgart geschlossen und ging in den Besitz der Stadt über. Noch im Februar 1839 stand der Beschluß des katholischen Kirchenrates Stuttgart, die St. Annakapelle auf Abbruch zu verkaufen.
Die Schließung der Kapelle nahmen die Fridinger nicht einfach widerspruchslos hin. Sie wehrten sich zäh und beharrlich, über 50 Jahre lang, schickten Eingaben und Bittschriften an den König, an den Bischof und an den katholischen Kirchenrat in Stuttgart, und setzten sich schließlich durch. Ab 1849 durften wieder Gottesdienste gefeiert werden, ab 1869 war das Annafest wieder erlaubt.
Nun waren die Vorzeichen positiv und die politischen und finanziellen Verhältnisse waren so, dass mit einer Schließung der Kapelle oder einem Verbot des Annafestes niemand mehr rechnen musste. Bis zum Dezember 1973, als festgestellt wurde, dass in der Nacht vom 6. zum 7. Dezember ein Einbruch in die Annakapelle verübt worden war. Die Einbrecher versuchten zuerst, die Außentür der Sakristei aufzubrechen, nachdem dies nicht gelang, drangen sie durch das Fenster zwischen dem Chorgitter und dem Joachimsaltar in die Kapelle ein und hausten dort wie Vandalen. Sie brachen Zierteile und Kanontafeln aus den Altären und entwendeten das Hochaltarbild St. Anna-Selbdritt. Für viele Fridinger war der Verlust der Mutter Anna, die über 200 Jahre lang hier verehrt wurde, ein echter Schock. Dieser Diebstahl führte zu einer dreijährigen Unterbrechung des Annafestes. 1979 fertigte Willi Bucher nach einem alten Original, der hl.-Emmerentia-Darstellung in der St. Annakapelle, eine neue Statue St. Anna-Selbdritt, die Hans Bucher im Originalton faßte.