Aus schweren Tagen... Das Kriegsjahr 1796 in Fridingen
Um aber von den meistens verrohten schlechten Soldaten unbehelligt zu bleiben, beschmutzte sie ihr junges, frisches Gesicht, brachte ihre Haare nicht mehr recht in Ordnung und ging in vernachlässigtem Anzuge umher, so daß sie vielmehr einem alten verwahrlosten Weibe glich als einer jungen, stattlichen Frau. Zogen die Truppen ab, kam bald wieder ihr wahres Äußeres zum Vorschein, sobald aber wieder andere kamen, war sie auch wieder die verwahrloste, unappetitliche Gestalt.
Nachdem am Lech Erzherzog Karl den Franzosen wieder entgegengestellt und am weiteren Vordringen gehindert hatte, fluteten die Franzosen wieder zurück. Mannschaften der einen, die über das Hart ins Spaichinger Tal zogen, verbrannten am 6. Oktober 1796 zum großen Teil Jrrendorf und Bärenthal. Kolbingen verschonten sie nur auf die anständige Bitte des dort wirkenden französischen Pfarrers Blanchard.
Auch Fridingen litt unter den durchziehenden, rohen Feinden, umso mehr atmeten die Einwohner auf, als die Österreicher nachrückten. Truppenteile der letzteren lagen noch jahrelang im Städtchen Fridingen. Zogen die einen ab, kamen bald wieder andere und zehrten am immer mehr schwindenden Wohlstand der Bürger.
Am 1. März 1799 ging der Franzosengeneral Jourdan mit 38 000 Mann über den Rhein und überschwemmte noch vor Mitte März unsere Gegend mit seinen Truppen. In Fridingen lag eine Unmasse Soldaten. Juliane Spiegel, deren Mann die zurückziehenden Österreicher als Feldschlächter mitgenommen hatten, hatte 36 Mann im Quartier, in jedem Stock zwölf. Sie selbst bewohnte mit ihren Kindern ein enges Stübchen, das ihr bisher als Vorratskammer gedient hatte. In der Zeit dieser Einquartierung erlosch des Nachts nie ihre kleine, mit Rapsöl gefüllte Lampe. Legte sich Juliane zur Ruhe, so stülpte sie einen alten Milchtopf über das Licht. Gab es dann einmal Lärm, so war der Topf schnell weggenommen und das mühselige Feuermachen war erspart.