Aus schweren Tagen... Das Kriegsjahr 1796 in Fridingen
Es war gegen Mittag eines heißen Tages im Juli des genannten Jahres, als in dem Städtchen Fridingen a.D. ein ungewöhnlich aufgeregtes Treiben herrschte. Durch zurückziehende österreichische Soldaten hatte sich die Nachricht verbreitet, daß die Franzosen im Anmarsch seien. Nun beeilten sich viele Einwohner des Städtchens, mit Weib und Kindern und der besten Habe in die Wälder und Felsenhöhlen zu entkommen, denn den französischen Horden ging der Ruf voraus, das sie sehr grausam, ja unmenschlich hausten.
Fast mitten im Städtchen stand ein stattliches Haus. Darin wohnte Johann Georg Spiegel und seine junge Frau Juliane mit vier Kindern, von denen das jüngste noch in der Wiege lag. Johann Georg wurde, als die französischen Vorposten und Quartiermacher den fliehenden Österreichern in kurzem Abstande folgten, in seiner Eigenschaft als Schlächtermeister vom Stadtknecht zum Schultheißen gerufen. Er wußte, daß er nun so bald nicht wieder zurück kam und riet noch in aller Eile seinem Weibe, mit den Kindern zu fliehen. Juliane, die eben mit dem Zubereiten des Mittagsmahles beschäftigt war, legte eilig Nahrungsmittel für sich und die Kinder in einen Korb und kochte noch schnell einen Brei für das jüngste Kind. Dann strebte auch sie dem Walde zu. Aber mühselig war dieses Fliehen. An einem Arm trug sie den schwer bepackten Korb, auf dem anderen trug sie ihr jüngstes Kind, die drei größeren hielten sich an ihrem Rocke und erschwerten ihr so das Gehen. Als sie endlich schwer atmend an einer dunklen Höhle angelangt war, glitt sie auf einer im Laub versteckten Tannenwurzel aus, kam zu Fall, und weil sie dabei auf das Kind auf ihrem Arm achten mußte, entfiel ihr der Korb und kollerte den kleinen Abhang hinab. Wohl konnte man die Lebensmittel wieder sammeln, aber der Brei war ungenießbar. Und doch konnte das arme Kind nicht ohne Speise sein, vielleicht gar einige Tage lang. Kurz entschlossen ging Juliane wieder zum Städtchen zurück und kochte einen zweiten Brei. Als sie damit dann wieder den Berg hinauf dem Wald zuging, glitt sie einen steilen Rain hinauf wieder aus und wieder lag der Brei mit Laub und Erde vermischt am Boden. Und zum zweiten Male ging die Mutige zurück, kochte nochmals einen Brei und als sie ihn eben vom Feuer nahm, schollen die Trompetensignale der einziehenden Franzosen durch das Städtchen. "So bleib ich halt in Gottes Namen da", sagte sie und floh künftig nie mehr, wenn feindliche Soldaten kamen.